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Geschrieben von: Günther Löbel   
Heute noch Morsen? Jetzt aktueller den je!  

Nachfolgend einige persönliche Gedanken zur Betriebsart CW auf unseren Bändern - anno 2009:

Einleitung

Wenn man die Bänder beobachtet, so stellt man fest, dass in den unteren Bereichen (also dort, wo die Bereiche fürs Morsen liegen) alles andere als Schweigen herrscht. 

Die Damen und Herren, die hier ihrer Lieblingsbetriebsart fröhnen sind aber teils schon fortgeschritteneren Alters. Diese YLs und OMs haben aufgrund der früher notwendigen Morseprüfung (teilweise unfreiwillig) die Fertigkeiten erlernen müssen - wurden also mehr oder weniger zu ihrem Glück gezwungen (hi). 

Dies hatte  aber die Auswirkung, dass man die Vorteile und den Genuss eines CW-QSOs auch kennen lernte. 

Genau das fehlt heute! 

Mir fällt dazu immer mein Spruch zum Erlernen des Windsurfens ein: "Wenn du nie im Gleiten (der Punkt, wo das Board sich aus dem Wasser hebt und das Teil richtig schnell wird) warst, kannst du nicht beeurteilen, ob dir  Windsurfen Spass macht". 

Auch hier versuchte ich öfters vergebens, Freunde zum Erlernen dieses Sports zu begeistern (wieviele begeisterte Windsurfer gäbe es, wenn es jeder einmal erlernen müsste?)  

Zurück aber zum Morsen: 

Die Funkamateure, die sich dieser Betriebsart erfreuen tun dies aus verschiedensten Gründen.Einige davon sind (meiner Meinung nach):

  • einfach aus Spaß am Morsen, Freude an dieser Betätigung
  • selbe Reichweite mit geringerer Sendeleistung
  • weil es angenehmer für die Ohren des Funkers ist (schmale Filter erlauben es einem in der Regel das Funkgerät so einzustellen, dass man wirklich nur seinen QSO-Partner hört - auch bei vollen Bändern)
  • weil es angenehmer für die Ohren der restlichen Familienmitglieder ist (Kopfhörer vorausgesetzt)
  • auf diesem Band nur CW zulässig ist (30 Meter)
  • dieses Land derzeit nur in CW erreichbar ist (OP macht keine anderen Betriebsarten)
  • weil der OM/die YL keinen Computer für andere digitale Betriebsarten zur Verfügung hat
  • weil es dem/der OP Spaß macht, CW mit seinem Computer zu machen (der beste Filter für CW ist aber immer noch das Ohr)
  • weil die unglaublich effektive Abarbeitung eines Pileups fasziniert (guter OP am anderen Ende vorausgesetzt)
  • man will nicht aus dem Lautsprecher des Nachbarn sprechen
  • sportlicher Aspekt (High Speed CW)
  • Lokale Störungen sind besser zu "durchdringen" als in Phonie
  • man ist konkurrenzfähiger gegenüber den "Big Guns"
  • man ruft sich im Pileup nicht die Seele aus dem Leib, sondern gibt gelassen sein Call
  • man sicher gehen will, dass nicht sendet, wenn die andere Station sendet (QSK)
  • man als QRPler mit geringer Sendeleistung gehört wird
    usw.  

Also: CW ist effektiv, unkompliziert und macht Spaß 

Müsste man es eigentlich nur noch ausprobieren.... 

Morsen lernen

Über die Methoden zum Erlernen von CW will ich hier nicht berichten, es gibt heute unzählige - sehr bequeme - Möglichkeiten hierfür.

>>>>>links einfügen<<<<<<<< 

Fest steht: es hat noch jeder erlernt der dies wollte und es ist wirklich viel weniger dabei, als man glaubt. Das ist wirklich so zu verstehen! 

Keine Angst davor, zu langsam zu geben - CW-Operator sind i.d.R. Gentlemen und passen sich an.

Anfangs wird man sicher schneller geben als hören können. Wirklich schwierig ist beim Hören nur der Klartext, kommt aber beim (Kurz-)QSO selten vor. 

Speziell beim DXen - sei es im Contest oder im gewöhnlichen Pileup - gibt die CQ-rufende Station ihr Call ohnehin permanent durch. Man kann sich also das Call so oft anhören, bis man es richtig aufgenommen hat (nicht aus dem Cluster abschreiben, da betrügt man sich nur selber).  

Wichtig ist nur das "up" der DX-Station nicht zu überhören. Dies bedeutet die Station hört nicht auf ihrer Sendefrequenz (sondern i.d.R. 1khz oberhalb).

Und schon steht der Länderjagd - falls von Interesse - nichts mehr im Wege. Man wird dann automatisch besser, also schneller und sicherer. 

Wichtig: Zuerst immer hören bis man sicher ist, erst dann senden!  

Faszination CW auf Kurzwelle 

Was macht nun den Reiz dieser Betriebsart auf Kurzwelle aus? 

Vorteile der geringeren Bandbreite gegenüber Phonie:

Natürlich stehen dem OP dieselben Ausbreitungsbedingungen wie in Phonie zur Verfügung, doch ist es oft angenehmer über die CW-Segmente der Bänder zu drehen.

Abgesehen vom 10M-Band ist einfach viel mehr Platz für Stationen in der Betriebsart CW. 

Nehmen wir mal den "Worst Case" einer Bandbelegung in SSB an: Der WWDX Contest Ende Oktober.

Speziell im Sonnenfleckenminimum (das 10 Meter-Band ist hier meist unbrauchbar für hohe QSO-Raten und wenn, dann nur für Europa-QSOs) kommt es auf 20 und 40 Meter soweit, dass nicht genügend Platz für die Teilnehmer vorhanden ist und man sich um die QRGs streitet.  Der mit der stärksten Station hat die Nase vorn. Wer hier schon mal zugehört hat, weis wie chaotisch sich das anhört. Ohne sehr gute Ohren und wirklich guten Richtantennen geht es oft nicht. Kein Wunder, dass hier die Nichtcontester lieber abdrehen - ist doch die begehrte Station unter den starken Signalen oft einfach nicht auszumachen. 

Ganz anders sieht das in CW aus:

Aufgrund der Tatsache, dass man beim Morsen wesentlich weniger Bandbreite beansprucht, haben auch im Contest viele Stationen Platz. Die Folge ist, dass man auch schwächere (DX-) Stationen hört. 

Probieren Sie aus, wie viele Stationen man innerhalb 20khz im CW-Contest hört! Man kann sich durchaus während eines Contests innerhalb so einer Bandbreite hin- und her bewegen ohne dass es langweilig wird. Immer wieder werden zwischen den lauten etliche leise Stationen auftauchen, die man arbeiten kann. 

Der CQ-rufenden Station geht es genauso, auch er kann die Stationen müheloser als in SSB aufnehmen -> eben auch unser eventuell doch recht schwaches Signal! In SSB passiert es oft, dass man anruft und die Station ruft weiter CQ, als ob man nicht existieren würde. Das hat den einfachen Grund, dass die CQ-rufende Station durch die Störungen von den unter- und oberhalb seiner QRG rufenden Kollegen einfach nur die lauten Signale hört (Splatter). 

„Zwischen den Zeichen hören (QSK)“:

Viele Transceiver besitzen die Möglichkeit dieser Betriebsart, in der man zwischen den einzelnen Zeichen immer auf Empfang schaltet. Das geht so schnell, dass subjektiv der Eindruck entsteht, man hört auf dieser QRG, obwohl man eigentlich sendet. Viele OM´s wollen diese Funktion nicht mehr missen. Gedoppelte QSO´s geheuren hier der Vergangenheit an. Da diese Funktion auch schon von verschiedenen PA´s zur Verfügung gestellt wird, sollte das zeitgleiche Senden mit der DX-Station im PileUp eigentlich kein Thema sein (theoretisch...). 

Ich hoffe, es wird klarer warum ich CW angenehmer und effektiver finde? 

DXen im 160 Meter - Band:

Wer sich hier mit SSB müht ist selber schuld. Auf diesem Band sind die DX-Signale mit durchschnittlicher Ausrüstung oft hart an der Hörbarkeitsgrenze. Ist hier ein QSO in CW schon oft sehr mühsam (aber lohnend), so ist es in SSB de facto unmöglich. 

DXen im 80 Meter - Band:

Hier hätte ich mit meiner kleinen Antenne wohl nie 200+ DXCC-Gebiete erreicht, hätte ich mich auf SSB fokusiert. Der Grund liegt darin, dass hier für DX (praktisch gesehen) nur die obersten 15khz genutzt werden. Diesen Bereich nützen de facto einige Stationen mit optimaler LowBand-Ausrüstung um dort allabendlich abwechselnd oder nebeneinander CQ-DX zu rufen.

Im Prinzip kommen so dort immer die best ausgerüsteten OMs zu QSOs untereinander. Man vergleicht lediglich die unterschiedlichen Signalstärken an den unterschiedlichen Tagen. Als Little Pistol kann man jedoch eventuell dazwischen fragen, ob man es eventuell auch mal probieren dürfte... Das ist prinzipiell kein Thema, sind ja angenehme OMs. Das ähnelt mir zu sehr dem Listen-Betrieb, ich bevorzuge "Freestyle",hi.

Meldet sich wirklich ein rares DX, so endet dies meist im Chaos.

Ruft wirklich mal eine DX-Station CQ im Split-Betrieb, so braucht er ein sehr starkes Signal. Ansonsten hat er kaum Chancen ein Pileup effizient abzuarbeiten.

Was tun also sehr viele DX-Peditionen und DXer? Richtig: Sie rufen im CW-Bereich CQ. Das Signal kann auch leise sein, ein Pileup ist zu beherrschen. CQ-rufende Stationen sind ebenfalls kein Thema.

Es werden in der Folge eben dann auch nicht nur die Leute mit Monsterantennen, sondern auch Otto-Normalfunker zu einem Kontakt kommen. Und das wollen schließlich beide Seiten, die DX-Stationen und die Zuhause-Funker. Schauen Sie sich die Statistiken von großen DX-Peditionen an, der Großteil der QSOs auf 80 (meist auch auf 40 und auf 160 sowieso) werden in CW getätigt. 

DXen im 30 Meter - Band:

Ein geniales DX-Band! Gerade auch in Zeiten des Sonnenfleckenminimums liefert uns dieses Band zuverlässig Signale aus aller Welt.

Zwischen dem 20  und 40 Meter-Band gelegen, verwundert es uns nicht, dass die Ausbreitungsbedingungen ebenfalls zwischen jenen dieser zwei Bänder liegen.

Im Herbst 2009 lieferte dieses Band zuverlässig Bandpunkte aller DX-Peditionen aus dem Pazifik-Raum - und diese teilweise rund um die Uhr.

Dieses Band ist nur für "CWisten" und die digitalen Betriebsarten zugelassen, vielleicht geht es aus diesem Grund hier auch etwas ruhiger zu.

All diese Eigenschaften haben dieses Band zu einem meiner Lieblingsbänder gemacht. 

DXen im 6 Meter Band:

Hier hat mir die Erfahrung gezeigt, dass man in CW im Pileup leichter durchkommt. Grund ist, dass viele auf diesem Band Aktive kein CW machen. Vielen DX-Stationen ist CW sowieso lieber und so erreicht man manch raren Vogel knapp an der Grenze des Hörbaren. In CW fällt auch gegebenenfalls der Unterschied in der Ausgangsleistung nicht so ins Gewicht (in OE dürfen wir ja nur max. 100 Watt).  

CW auf den VHF/UHF Bändern: 

Als an CW gewohnter OM habe ich natürlich auch auf 144 und 432 Mhz diese Betriebsart ausprobiert. Leider musste ich feststellen, dass hier SSB eindeutig die Nase vorn hat - was die Aktivität auf diesen Bändern betrifft. 

Wenig Aktivität und (normalerweise) wenig QRM sind wohl die Gründe, warum die Aktivität so stark in Richtung SSB gelagert ist. Ein wenig wird es wohl auch daran liegen, dass die Funkamateure hier CW auch gar nicht beherrschen.

An Contestwochenenden findet man aber dann doch viele Stationen in CW. 

Mein Geheimtipp hier ist der Marconi-Contest. Dieser 1x jährlich auf 144Mhz stattfindende Contest läuft ausschließlich in CW und bietet ein fantastisches Angebot an Stationen. Praktisch alle UKW-Contester nehmen daran Teil. Da eben SSB nicht zulässig ist wird in CW munter QSO gefahren. Dieser Bewerb hat von Jahr zu Jahr mehr Anhänger und auch mit einer kleinen Station kann man QSOs über viele hunderte Kilometer fahren. Wie auf Kurzwelle genießt man hier den Vorteil der geringeren Bandbreite von CW (kein Splatter von den großen Stationen). So kriegt man auch mit einer kleinen Station viele neue Felder ins Log!   

Vielleicht haben diese Zeilen ja den einen oder anderen OM bewogen, doch mal die Morsetaste anzuschließen und es zu versuchen. Oder auch mal mit einem Dekodierprogramm über die Bänder drehen. Hauptsache Ak

 
Zuletzt aktualisiert am Freitag, 12. Februar 2010 um 06:59 Uhr
 
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